Erlebnispädagogik an der LGS

Vertrauensvoll in der Wand hängend

Ansatz und Ziele

Um Persönlichkeitsstabilisierung, Vertrauensbildung, Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit, Konfliktbewältigung und Teamfähigkeit geht es bei dem erlebnispädagogischen Konzept der LGS. Angesprochen werden mit diesem Konzept vor allem SchülerInnen der vollschulischen Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung. Es handelt sich hierbei um SchülerInnen, die nach dem Besuch von 9 Schuljahren in Haupt- oder Förderschulen entweder keine Ausbildungsstelle finden oder zu diesem Zeitpunkt aus den unterschiedlichsten Gründen noch keine Berufswahl treffen konnten. Viele SchülerInnen hatten in ihrer bisherigen Schulkarriere Probleme, konnten keinen Hauptschulabschluss erwerben, sind schulmüde und zeigen Verhaltensweisen, die oft nicht der „Norm“ entsprechen. Erlebnisse, und dies ist der zentrale Punkt im Rahmen des erlebnispädagogischen Konzepts der LGS, werden hierbei nicht einfach nur "konsumiert" und "stehen gelassen", sondern durch gemeinsames oder individuelles Reflektieren hinterfragt, um so Lehren aus dem Erlebten zu ziehen. Ziel hierbei ist es, dass die SchülerInnen diese Lehren auf ihr jetziges Leben übertragen und so Prozesse in Gang gesetzt werden, die zu persönlichen Einsichten, Entwicklungen und Veränderungen und damit zu neuen Kompetenzen führen.

 
Gemeinsam mit dem selbst gebauten Floß eine Strecke bewältigen

Umsetzung

Die Umsetzung des erlebnispädagogischen Ansatzes erfolgt an der LGS sowohl in punktuellen Projekten/Maßnahmen (Laborsituation) als auch in Projekten/Maßnahmen, die schuljahrbegleitend sind. Im Einzelnen sind dies:

  • Zu Beginn des Schuljahres eine viertägige "Kennenlernfahrt mit erlebnispädagogischem Schwerpunkt". Schwerpunktsetzungen: Kennenlernen, Disziplin, Durchhaltevermögen, Mitgestaltung, Verantwortungsübernahme, Selbstständigkeit, Kooperation, Freundlichkeit, Leistungsbereitschaft, Toleranz, Kritik und Selbstkritik
  • Projektorientierter Unterricht (4 Stunden pro Woche) mit dem Thema „Soziales Lernen – Gewaltprävention, Umgang und Bewältigung von Konflikten". Schwerpunktsetzungen: Disziplin, Konfliktfähigkeit, Freundlichkeit, Toleranz, Kritik und Selbstkritik
  • Projekt "Körper-, Bewegungs- und Teamerfahrung" durch das "Begehen des Hocheilgartens" in Ernsthofen. Schwerpunktsetzungen: Teamfähigkeit, Kooperation, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Sammeln von neuen Bewegungs-, Körper-, Sozial- und Materialerfahrungen
  • Projekt: "Männlichkeiten, Männer-/Frauenrollen". Schwerpunktsetzungen: Kritik und Selbstkritik, Toleranz, Freundlichkeit, Belastbarkeit
  • Projekt: "Körper-, Bewegungs- und Sozialerfahrung" umgesetzt durch eine Unterrichtseinheit "Klettern in der Schule" im Rahmen des Sportunterrichts. Schwerpunktsetzungen: Selbstständigkeit, Kooperation, Disziplin, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit
  • Projekt "Kennenlernen von Selbstverteidigungstechniken, bewusste Körperarbeit und gegenseitige Rücksichtnahme". Schwerpunktsetzungen: Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin, Rücksichtnahme, Leistungsbereitschaft, Konfliktfähigkeit
  • Projekt "Mit Karts auf neuen Erziehungswegen". Schwerpunktsetzungen: Disziplin, Gewissenhaftigkeit, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit
  • "Sechstägige erlebnispädagogische Maßnahme im Gebirge". Schwerpunktsetzungen: Leistungsbereitschaft, Disziplin, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Mitgestaltung, Verantwortungsübernahme, Selbstständigkeit, Kooperation, Freundlichkeit,  Toleranz, Kritik und Selbstkritik.

Darüber hinaus haben die verschiedenen Inhalte der Projekte/Maßnahmen in der Regel einen besonderen Stellenwert bei den Jugendlichen, da sie als

  • attraktiver Bereich der Jugendkultur,
  • spannungsgeladene u. erlebnisorientierte Aktivität,
  • individuell leistungsbestimmbare Betätigung,
  • Ausgleich zur Bewegungsarmut des üblichen schulischen und außerschulischen Alltags,
  • Anregung zum Umgang mit dem eigenen Körper und mit Anderen,
  • sozial-integratives Lernfeld,
  • (Bewegungs-) Aktivität zum Aufbau von Vertrauen und zur Übernahme von Verantwortung,
  • Anregung zur gesunden, drogenfreien Lebensweise,
  • sinnvolle  Freizeitbetätigung und
  • Förderung der eigenen Persönlichkeit im umfassenden Sinn

erkannt und akzeptiert werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Umsetzung dieser Projekte/Maßnahmen war und ist die Bereitschaft der beteiligten Lehrkräfte zur ständigen Fortbildung. So sind von Lehrkräften Fortbildungen in den Bereichen Hochseilgarten, Klettern, Kommunikationstheorie, Konfliktmanagement oder Erlebnispädagogik besucht worden. Darüber hinaus ist von besonderer Bedeutung die Öffnung der Schule im Sinne einer Kooperation mit verschiedenen Partnern aus den unterschiedlichsten Einrichtungen/Institutionen. Besonders positiv ist hier die enge Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch den Landkreis DA/DI, Abteilung Jugendamt/Jugendgerichtshilfe zu erwähnen.

An der schulischen Kletterwand

Fazit

Da die SchülerInnen sich bei allen Aktivitäten in der Regel als mitbestimmende Subjekte erleben können, erfahren sie auch, dass es lohnenswert und wertvoll ist, sich für eine Sache zu engagieren bzw. dass "Erfolg" und Zufriedenheit mit individuellen Qualifikationen, die man erwerben kann, in Verbindung steht. Da solche Erfahrungen im Rahmen der erlebnispädagogischen Aktivitäten häufig gemacht und stets große Zufriedenheit sowie Begeisterung empfunden wird, kann davon ausgegangen werden, dass zumindest ein Teil der Schülerschaft diese Erfahrungen auch auf andere Lebens- und Alltagssituationen (Familie, Freizeit, Schule, Arbeit) überträgt und somit dem Ziel einer umfassenden und ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung ein großes Stück näher kommt.